Workshops am Donnerstag, 22.09.2022 von 13:00 bis 16:00 Uhr

Workshop Nr. 1

Sinnzentrierte Psychotherapie (SPT) für Patientinnen und Patienten mit einer Krebserkankung
Dr. Antje Lehmann-Laue und Laura Vibrans (Leipzig)

Für viele Patienten stellt eine Krebsdiagnose einen tiefen Einschnitt in das Leben dar, der auch mit existenziellen Belastungen einhergeht. Inspiriert durch die Arbeiten von Viktor Frankl und lrvin Yalom entwickelte die Forschungsgruppe um William Breitbart am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center (MSKCC) die Sinnzentrierte Kurzzeit-Psychotherapie für Krebspatienten. Die Wirksamkeit der sinn­zentrierten Intervention mit acht Sitzungen wurde sowohl im Gruppentherapieformat (SGPT) als auch im Einzeltherapieformat (SEPT) in mehreren randomisiert-kontrollierten Studien nachgewiesen. Die Studienergebnisse zeigen u.a. eine Verbesserung des spirituellen Wohlbefindens, des Gefühls der Sinnhaftigkeit sowie eine signifikante Reduktion von Angst und Hoffnungslosigkeit.

Die SPT soll Patienten dabei unterstützen, das Gefühl von Lebenssinn im Angesicht einer schweren Erkrankung zu entwickeln, wiederzufinden, aufrechtzuerhalten oder sogar zu verstärken, sinnstiftende Ressourcen zu entdecken, die auch längerfristig im Krankheitsverlauf hilfreich sind, sowie Probleme und Gefühle im Zusammenhang mit der Erkrankung im Rahmen der therapeutischen Beziehung zu reflektieren. Die SPT-Sitzungen umfassen folgende Inhalte: Konzepte und sinnstiftende Ressourcen (Lebensgeschichte, Innere Haltung, Kreativität, Sinneserfahrungen und Erlebnisse), Krebs und Sinn sowie Übergänge.

Im Workshop werden der Ablauf, die Ziele und die Inhalte der SPT anhand von verschiedenen Arbeitsmaterialien vorgestellt und mit den Teilnehmenden hinsichtlich anwendungsbezogener Erfahrungen diskutiert.

Literatur: Breitbart, W. (2022). Sinnzentrierte Psychotherapie für Patienten mit einer Krebserkrankung: Bedeutung und Hoffnung im Angesicht des Leidens finden. Stuttgart: Kohlhammer

Lernziele:
1. Einen Überblick über Struktur und Inhalte der SPT erhalten
2. Einzelne Therapieübungen gemeinsam und unter Anleitung durchführen und erproben

 

 

Dr. Antje Lehmann-Laue, Diplom-Psychologin, ist Psychologische Psychotherapeutin (Tiefenpsychologisch fundierte und Analytische Psychotherapie) und Leiterin der medizinpsychologischen Versorgung und der Krebsberatungsstelle an der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Leipzig.

 

 

Laura Vibrans, Diplom-Psychologin, ist Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Leipzig und der angegliederten Krebsberatungsstelle.

Workshop Nr. 2

Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) mit Krebspatient*innen und deren Angehörigen
Dr. Christina Sauer (Heidelberg) und Dr. Gregor Weißflog (Leipzig)

Eine Krebserkrankung ändert vieles: körperlich, psychisch und sozial. Patient*innen und auch deren Angehörige müssen mit einschneidenden Veränderungen und auch Verlusten umgehen und sich daran anpassen. Hierfür ist psychische Flexibilität notwendig und hilfreich.

Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) als achtsamkeits- und akzeptanzbasiertes Verfahren der dritten Welle der Verhaltenstherapie liefert den kontextuellen Rahmen zur Förderung dieser psychischen Flexibilität von Patient*innen und deren Angehörigen. Ausgehend davon, dass Krankheit, Schmerz und Leid Teil unseres Lebens und unvermeidbar sind, fokussiert die ACT auf einen alternativen Umgang mit schmerzlichem Erleben und gleichzeitig darauf, wie von Krebs Betroffene dennoch ein wertorientiertes und glückliches Leben führen können.    

Im Workshop werden der theoretische Hintergrund der ACT, der aktuelle empirische Kenntnisstand zum Einsatz in der Psychoonkologie und ganz viele praktische Methoden vermittelt und ausprobiert.

Literatur: Sauer, C. & Weißflog, G. (2022). Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) in der Psychoonkologie. Hintergrund und aktueller Forschungsstand. Der Onkologe, 28, 411–418. DOI: https://link.springer.com/article/10.1007/s00761-022-01127-6

Lernziele:
1. Die Teilnehmenden wissen, warum ACT im psychoonkologischen Setting besonders geeignet ist.
2. Die Teilnehmenden kennen die sechs therapeutischen Prozesse des Hexaflex der ACT und deren Relevanz bei Krebserkrankungen.
3. Die Teilnehmenden kennen Metaphern bzw. erlebnisbezogene Übungen und erproben interaktiv deren Anwendung.

 

 

Dr. Christina Sauer, Diplom-Psychologin, ist Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Sektion Psychoonkologie, am Universitätsklinikum Heidelberg. Sie ist dort klinisch in der Psychoonkologischen Ambulanz am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg tätig.

 

 

Dr. Gregor Weißflog, Diplom-Psychologe, ist Psychologischer Psychotherapeut
(Verhaltenstherapie) und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig. Klinische Tätigkeit am Universitären Krebszentrum (UCCL) und am Prostatakarzinomzentrum des Universitätsklinikums Leipzig.

Workshop Nr. 3

Die Balintgruppe
Dr. Martina Prinz-Zaiss (Freiburg i. Br.) und Dr. Andreas Werner (Heidelberg)

Das von Michael Balint (1896–1970) entwickelte und nach ihm benannte Prinzip der Gruppenarbeit wird seit über 50 Jahren angewandt. Ziel ist es, Ärzte*, Therapeuten* und weitere im psychosozialen Versorgungsbereich tätige Berufsgruppen für die Bedeutung unbewusster Aspekte in der Beziehungs­gestaltung und im Umgang mit ihren Patienten*/Klienten* zu sensibilisieren.

In einer Balintgruppe beschäftigen sich 8–12 Teilnehmer* aus medizinischen und / oder psychosozialen Arbeitsbereichen über 1,5 Std. unter der Moderation eines ausgebildeten Balintgruppenleiters mit einer „Arzt-Patient-Beziehung“. Als „Fall“ werden aktuelle oder frühere Begegnungen mit Patienten mit dem Ziel vorgestellt, diese besser zu verstehen. Die Fallvorstellung erfolgt aus der subjektiven Erinnerung, ohne dass hierbei Aufzeichnungen oder eine Krankendatei benutzt werden. So entsteht sowohl beim jeweiligen Referenten als auch bei den Gruppenteilnehmern ein erlebnis- und gefühlsnaher Eindruck der vorgestellten Beziehung.

Die zuhörenden Gruppenmitglieder geben anschließend ihre Eindrücke, ihre Gefühle und Phantasien zum vorgestellten Fall wieder. Das subjektive Erleben des Patienten und des Arztes, ihre Gesamt­persönlichkeit und die bio-psycho-soziale Dimension des Behandlungsfalles werden gemeinsam angeschaut und hinterfragt. Hieraus entsteht ein erweitertes, multiperspektivisches Bild der Arzt-Patient-Beziehung („Übertragung und Gegenübertragung“). Die Balintgruppe ermöglicht eine auf die unmittelbare Beziehung fokussierte impliziten Selbsterfahrung, die allmählich zu einer „begrenzten, aber doch wesentlichen Wandlung in der Einstellung und Persönlichkeit führt“ („Umstellung der Einstellung“).

* Gemeint sind stets Angehörige jeden Geschlechts (m/w/d). Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die Nennung der einzelnen Formen verzichtet.

 

Lernziele:

Das Ergebnis einer aus verschiedenen Perspektiven geklärten Arzt-Patient-Beziehung kommt sowohl dem Arzt oder Therapeuten, seinem Patienten, aber auch den übrigen Teilnehmern der Balintgruppe zugute. Balintgruppen dienen sowohl der Qualitätssicherung in der ärztlichen und therapeutischen Arbeit als auch der persönlichen Burnout-Prävention.

 

 

Dr. Martina Prinz-Zaiss, Ärztliche Psychotherapeutin (TPT), Psychoonkologin (WPO), Hypnotherapeutin (DGH), Balintgruppenleiterin (Deutsche Balintgesellschaft e.V.), Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo)

 

 

Dr. Andreas Werner, Facharzt für Innere Medizin / Psychotherapie in eigener Privatpraxis, Balintgruppenleiter (Deutsche Balintgesellschaft e.V.), Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo)

Quellennachweis

Bildrechte

Antje Lehmann-Laue, Gregor Weißflog
Fotograf: Jens Gerber (Frankfurt/M. und Leipzig)

Christina Sauer
Bildrechte: Universitätsklinikum Heidelberg

Laura Vibrans
Fotostudio „Foto Zett“ (Leipzig)

Martina Prinz-Zaiss
Bildrechte: privat

Andreas Werner
Bildrechte: privat