Symposium: Psychoonkologie in der Pandemie

Freitag, 24.09.2021 9:00 bis 10:30 Uhr

Moderation:

Zeitrahmen: 90 Min


Die Pandemie mit ihren Folgen bestimmt auch nach über einem Jahr das gesellschaftliche Leben, und damit unser Denken, Fühlen und Handeln, im Privatleben wie in der klinischen Versorgung. Was haben wir bisher erfahren, was haben wir gelernt? Wie erleben onkologische Patient*innen und das Klinikpersonal die Pandemie? Wie hat sich unser Arbeitsfeld in der Psychoonkologie verändert, was haben wir neu entwickelt, und wie sind die mittel- und langfristigen Aussichten?  Dazu möchten wir mit Impulsreferaten aus vier Perspektiven beitragen. Wir stellen uns dieses Symposium praktisch und austauschfreudig vor.

 

Umgang mit Psychosozialen Belastungen

Die COVID-19 Pandemie als "Syndemie":
Das Zusammenspiel von sozialen, wirtschaftlichen, biologischen Faktoren und der Versorgung

Prof. Dr. Nico Dragano, Universitätsklinikum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie für die Gesundheit der Bevölkerung geht weit über die Erkrankungen und Todesfälle durch Infektionen mit dem Virus hinaus. Hinzu kommen vielfältige psychische Belastungen, beispielsweise wirtschaftliche Schwierigkeiten oder soziale Isolation, Versorgungsprobleme von non-COVID-19 Erkrankungen insbesondere während der Hochphasen der Pandemie, sowie eine generelle Verschärfung der ökonomischen Ungleichheit in der Gesellschaft. Dies alle summiert sich zu einem komplexen Geschehen, das in Anlehnung an den Anthropologen Merrill Singer als „Syndemie“ bezeichnet werden kann. Kennzeichen ist zudem, dass die Syndemie die unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft unterschiedlich hart trifft. So sind bei allen direkten und indirekten gesundheitlichen Folgen, Menschen in sozial benachteiligten Lagen häufiger betroffen. Der Vortrag gibt einen Überblick über die Forschung und umreißt das Ausmaß der gesundheitlichen Belastung.

 

 

Medizinische Perspektive

Wie hat sich der Behandlungskontext verändert? Medizinische Aspekte im Spannungsfeld guter Patientenbetreuung und Schutz der eigenen Mitarbeiter
Prof. Dr. Katja Weisel, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf   

- Kurzbeschreibung folgt

     

     

    Veränderungen in der psychoonkologischen Versorgung

    Psychoonkologische Versorgung in der Covid-19 Pandemie: Veränderungen, Herausforderungen, Lösungen
    PD Dr. Andreas Dinkel, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München

    Die Covid-19 Pandemie stellt das Gesundheitssystem und die Gesundheitsversorgung vor große Probleme. Auch bei Patienten mit Krebserkrankungen mussten in der medizinischen wie auch der psychoonkologischen Versorgung Anpassungen vorgenommen werden. Zahlreiche Verbände und Gesellschaften erarbeiteten Empfehlungen, wie eine qualitativ hochwertige Versorgung in dieser Situation aufrechterhalten werden kann. Um sich über Erfahrungen mit der psychoonkologischen Versorgung in dieser Krisensituation auszutauschen, wurde ein informelles videobasiertes Treffen initiiert, an dem regelmäßig mehrere Psychoonkologinnen und Psychoonkologen aus CCCs teilnahmen. Der Beitrag liefert eine Übersicht zu internationalen und nationalen Erfahrungen in der psychoonkologischen Versorgung während der Covid-19 Pandemie und bezieht dabei insbesondere die Erfahrungen der Teilnehmer der seit März 2020 stattfindenden Videokonferenz von Psychoonkologen und Psychoonkologinnen aus CCCs in Deutschland ein.

     

     

    Zur therapeutischen Beziehung

    Von der (Un-) Möglichkeit psychoonkologischer Begleitung in pandemischen Zeiten. Therapeutische und ethische Herausforderungen zwischen realer Distanz und persönlicher Betroffenheit
    Frank Schulz-Kindermann, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf   

    Gute psychoonkologische Begleitung ist von authentischem, mitfühlendem Sich-Einlassen auf die Anliegen der Patienten und Angehörigen geprägt. Sie lebt vom direkten Kontakt mit dem Leiden, verharrt nicht im Praxiszimmer, sondern spielt sich mitten im persönlichen und medizinisch-pflegerischen System ab. Die Pandemie zwingt uns in ein Dilemma: In die Realität einer nie dagewesenen gemeinsamen Betroffenheit bei gleichzeitigem Zwang zu Abstand und virtuellem Kontakt. Wichtige Funktionen einer guten psychoonkologischen Versorgung sind damit auf die Probe gestellt, wie z.B.: Kann im Online-Kontakt auch supportiv-expressiv gearbeitet werden? Können Kohärenz-Funktionen in Online-Therapiegruppen entstehen und kann auf deren Effekte zurückgegriffen werden? Der Vortrag beleuchtet diese und andere therapeutische Prozesse und fokussiert weitere ethische Herausforderungen psychoonkologischer Versorgung in der COVID-19-Pandemie.