Symposium Kommunikativ Handeln

Freitag, 24.09.2021 11:00 – 12:30 Uhr

Im onkologischen Kontext kommt einer professionellen, empathischen Kommunikation ein besonderer Stellenwert zu. Das Eingehen auf den je individuellen Umgang mit Ängsten, Belastungen, Hoffnung und Leid kennzeichnet eine gute psychoonkologische Begleitung.  Empathische Gesprächstechniken haben sich hierbei als wirksam und haltgebend erwiesen. Für das kommunikative Gelingen kommt es aber auch auf die wahrgenommene Haltung und die Stimmigkeit beider an. In diesem Symposium möchten wir uns dieser Zielsetzung aus drei Perspektiven nähern.

 

 

Kommunikation

Wie Kommunikation gelingen kann
Prof. Dr. Wolf Langewitz, Universitätsspital Basel, Schweiz

Kommunikation ist mehr als das Befolgen bestimmter Regeln; dies gilt sowohl für das, was gesagt und gehört wird (Immer langsam sprechen; bis zu Ende anhören!), als auch für die Frage, wie etwas gesagt wird (offene Körperhaltung, keine Merkel’schen Mundwinkel!). Interessant sind Begegnungen, in denen sich Einvernehmen einstellt und der Eindruck einer ‚gelungenen‘ Kommunikation. Ich werde versuchen, die Gemeinsame Situation und die wechselseitige leibliche Bezugnahme als Grundlagen einer gelungenen Kommunikation darzustellen und insbesondere auf die Notwendigkeit des Wartens und seine Konsequenzen eingehen, wenn gelingen soll, was man vielleicht als ‚Sich-Einschwingen auf den Anderen‘ bezeichnen könnte.
Die angewandten Konzepte sind der Neuen Phänomenologie entlehnt, in der die Situation als chaotisch mannigfaltige, letztlich nicht explizierbare Entität der Konstellation als beliebig komplexes Arrangement von Einzelheiten entgegengestellt wird. Typische Kommunikationsstudien bewegen sich auf dem Niveau der Konstellation, das Eintauchen in eine gemeinsame Situation wird als nicht wissenschaftlich, weil von aussen nicht nachvollziehbar diskreditiert. Als Substrat einer Begegnung wird ‚Der Leib‘ eingeführt, der sich in klar beschreibbaren Eigenschaften vom ‚Körper‘ – und von der Seele – unterscheiden lässt. Lit.: Hermann Schmitz: Der unerschöpfliche Gegenstand. Bouvier Verlag. 3. Auflage 2007

 

 

Selbstfürsorge und Mitgefühl

Selbstfürsorge durch professionelle Nähe – Mitgefühl in der Kommunikation mit Schwerstkranken
Dr. Sonja Hofmann, Klinikum Fürth

In der Begleitung schwerstkranker Menschen kommen alle Beteiligten meist mit Leiden unterschiedlicher Ausprägungen in Kontakt. Die sogenannte professionelle Distanz wird häufig als Möglichkeit angesehen, die Belastung in diesen Arbeitsfeldern möglichst gering zu halten. Von Betroffenen werden Behandelnde in diesem Streben nach professioneller Distanz jedoch nicht selten als gleichgültig oder kalt wahrgenommen.
Gefühle der Isolation verstärken in Kontexten von Krankheit und Trauer das menschliche Bedürfnis nach Verbundenheit, das sowohl bei Erkrankten und Angehörigen aber auch auf der Seite der Behandelnden vorhanden ist. Empathie als Fähigkeit mit den Gefühlen anderer mitzuschwingen könnte ein Weg sein, das Gefühl der Verbundenheit mit Erkrankten und Angehörigen zu fördern. Stellen sich Behandelnde jedoch zu sehr an diese Position besteht die Gefahr des Mitleid(en)s.

Eine mitfühlende Haltung, die unter anderem durch die Akzeptanz von unvermeidlichem Leid und der Motivation, zur Linderung des Leids beizutragen, geprägt ist, kann ein Sich-Verbinden mit Leidenden fördern, ohne mitzuleiden.

Weiten wir das Mitgefühl als Behandelnde zusätzlich auf uns selbst aus, entsteht die Möglichkeit, Verantwortung für die adäquate Behandlung und Begleitung sowohl für Erkrankte und ihre Freunde und Familien als auch für uns selbst zu übernehmen.
Eine achtsame Haltung unterstützt uns dabei, nicht jedem Impuls nachzugehen und sich entweder in das Mitleiden hineinzustürzen oder sich aus Sorge vor zu starker Beteiligung zu distanzieren.

 

 

Suggestion

Vom Guten und Schlechten der Suggestion
Dr. Klaus Hönig, Universitätsklinikum Ulm

Menschen haben angesichts existentieller Bedrohung in Extremsituationen eine natürliche Trance-Neigung. Dabei handelt es sich um einen besonderen Bewusstseinszustand, der durch eine stark fokussierte Aufmerksamkeit und erhöhte Suggestibilität gekennzeichnet ist, und bei dem das rationale Verständnis hinter ein bildhaftes, sinnlich-assoziatives zurücktritt. Dieser besondere Bewusstseinszustand ist Segen und Fluch zugleich. Eine erhöhte Suggestibilität, in der wir begierig aufnehmen, was wir sehen und hören und auf uns selbst beziehen, ist angesichts vertrauensstiftender, sicherheitsgebender Äußerungen zweifellos von Vorteil. Bei Negativsuggestionen kann sich dies als folgenschwerer Nachteil erweisen. Negativsuggestionen sollten daher zum Wohle des Patienten so gut wie möglich unterlassen werden. Angemessen positive Suggestionen sind hingegen ratsam, um einer oft einseitigen Negativerwartung frühzeitig entgegenzuwirken. Unter zusätzlicher Aktivierung von Ressourcen des Patienten lassen sie so nachweislich positive Auswirkungen auf die Krankheitsverarbeitung und die Lebensqualität des Patienten erzielen.