Die Balintgruppe

Dr. Martina Prinz-Zaiss (Freiburg) und Dr. Andreas Werner (Heidelberg)

Das von Michael Balint (1896–1970) entwickelte und nach ihm benannte Prinzip der Gruppenarbeit wird seit über 50 Jahren angewandt. Ziel ist es, Ärzte*, Therapeuten* und weitere im psychosozialen Versorgungsbereich tätige Berufsgruppen für die Bedeutung unbewusster Aspekte in der Beziehungs­gestaltung und im Umgang mit ihren Patienten*/Klienten* zu sensibilisieren.

In einer Balintgruppe beschäftigen sich 8–12 Teilnehmer* aus medizinischen und / oder psychosozialen Arbeitsbereichen über 1,5 Std. unter der Moderation eines ausgebildeten Balintgruppenleiters mit einer „Arzt-Patient-Beziehung“. Als „Fall“ werden aktuelle oder frühere Begegnungen mit Patienten mit dem Ziel vorgestellt, diese besser zu verstehen. Die Fallvorstellung erfolgt aus der subjektiven Erinnerung, ohne dass hierbei Aufzeichnungen oder eine Krankendatei benutzt werden. So entsteht sowohl beim jeweiligen Referenten als auch bei den Gruppenteilnehmern ein erlebnis- und gefühlsnaher Eindruck der vorgestellten Beziehung.

Die zuhörenden Gruppenmitglieder geben anschließend ihre Eindrücke, ihre Gefühle und Phantasien zum vorgestellten Fall wieder. Das subjektive Erleben des Patienten und des Arztes, ihre Gesamt­persönlichkeit und die bio-psycho-soziale Dimension des Behandlungsfalles werden gemeinsam angeschaut und hinterfragt. Hieraus entsteht ein erweitertes, multiperspektivisches Bild der Arzt-Patient-Beziehung („Übertragung und Gegenübertragung“). Die Balintgruppe ermöglicht eine auf die unmittelbare Beziehung fokussierte impliziten Selbsterfahrung, die allmählich zu einer „begrenzten, aber doch wesentlichen Wandlung in der Einstellung und Persönlichkeit führt“ („Umstellung der Einstellung“).

* Gemeint sind stets Angehörige jeden Geschlechts (m/w/d). Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die Nennung der einzelnen Formen verzichtet.

 

Lernziele:

Das Ergebnis einer aus verschiedenen Perspektiven geklärten Arzt-Patient-Beziehung kommt sowohl dem Arzt oder Therapeuten, seinem Patienten, aber auch den übrigen Teilnehmern der Balintgruppe zugute. Balintgruppen dienen sowohl der Qualitätssicherung in der ärztlichen und therapeutischen Arbeit als auch der persönlichen Burnout-Prävention.

Dr. Martina Prinz-Zaiss

Dr. Martina Prinz-Zaiss, Ärztliche Psychotherapeutin (TPT), Psychoonkologin (WPO), Hypnotherapeutin (DGH), Balintgruppenleiterin (Deutsche Balintgesellschaft e.V.), Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo)

Dr. Andreas Werner

Dr. Andreas Werner, Facharzt für Innere Medizin / Psychotherapie in eigener Privatpraxis, Balintgruppenleiter (Deutsche Balintgesellschaft e.V.), Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Psychosoziale Onkologie (dapo)