Viele Perspektiven – ein Ziel: integrierte Palliativversorgung von Menschen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen und ihren Angehörigen
Charakteristika der Palliativmedizin sind ihre strukturübergreifende Funktion, die bedarfsadaptiert die erkrankungsspezifische Behandlung ergänzt, und die Betrachtung der Erkrankten und ihrer Angehörigen als sich gegenseitig beeinflussende „Sorgeeinheit“. Das Zusammenbringen aller Perspektiven, also aller behandelnden Fachdisziplinen und Berufsgruppen sowie der Angehörigen und vor allem der Erkrankten selbst, zielt auf eine bestmögliche Lebensqualität der Betroffenen ab.
Mit den Fortschritten in der Onkologie verändert sich auch die Frage, wie eine in Sinne der Patient*innen und ihren Angehörigen bestmögliche Integration von Palliativversorgung in die onkologische Behandlung zeitgerecht im Erkrankungsverlauf gelingen kann. Eine zeitgerechte Integration ermöglicht die umfassende Berücksichtigung physischer, psychischer, sozialer und existentieller Bedarfe zu jedem Zeitpunkt im Erkrankungsverlauf, aber auch eine rechtzeitige Vorbereitung auf das, was in einer näheren oder ferneren Zukunft auf die Betroffenen zukommen kann. Sie bietet eine unterstützende Antwort auf die innere Ambivalenz zwischen Hoffen auf Therapierfolg und der Angst vor dem, was im Falle eines Therapieversagens, Progresses oder Rezidivs getan werden kann.
Forschungsprojekte haben in den letzten Jahren nicht nur hohe Raten an unerfüllten Bedarfen bei Angehörigen gezeigt, sondern auch dass durch regelmäßige Bedarfserfassung und (psycho-) edukative Interventionen die Situation der Angehörigen und der Patient*innen verbessert werden kann. Diese wissenschaftliche Evidenz hat einer zunehmenden Berücksichtigung der Angehörigen in Leitlinien und Versorgungstandards in Onkologie und Palliativmedizin geführt.
Prof. Dr. Karin Oechsle ist Fachärztin für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie mit Zusatzbezeichnung Palliativmedizin. Sie hat seit 2008 schrittweise den Fachbereich Palliativmedizin innerhalb der Klinik für Klinik und Poliklinik für Onkologie, Hämatologie und KMT am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in Klinik, Forschung und Lehre aufgebaut und leitet diesen ärztlich. Von 2017 bis 2022 hatte sie eine maßgeblich von der Hamburg Krebsgesellschaft e.V. geförderte Stiftungsprofessur (W3) für Palliativmedizin mit Schwerpunkt Angehörigenforschung inne. Seit 2022 ist sie unbefristete Universitätsprofessorin für Palliativmedizin am UKE.
Prof. Dr. med. Karin Oechsle
Universitätsprofessur für Palliativmedizin
mit Schwerpunkt Angehörigenforschung
Ärztliche Leitung Palliativmedizin
Klinik und Poliklinik für Onkologie, Hämatologie und
Knochenmarktransplantation mit Abteilung für Pneumologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf