Dr. Gary Rodin, 19.09.2019, 17-18 Uhr

Managing Cancer and Living Meaningfully (CALM) - A Psychotherapeutic Approach to Early Palliative Care

There is increasing evidence for the value of early palliative care, the psychological dimensions of which may be the most important at early stages of disease.  However, much less systematic attention has been paid to the psychological care of patients with advanced disease than to the management of their physical symptoms.    Managing Cancer and Living Meaningfully (CALM) is a novel 3-6 session semistructured psychotherapeutic intervention designed to fill this gap and to be integrated with both cancer care and palliative care.   CALM addresses four major content domains in which adaptive challenges are common, if not inevitable.  These are:  navigating the health care system and communicating with health care providers, personal relationships and the sense of identity, the sense of meaning and facing the end of life.   The process of CALM also attends to the regulation of emotions and to expanding awareness of the possibilities for living in the face of advanced disease. A large randomized controlled trial comparing CALM to usual care in patients with advanced cancer demonstrated that the CALM is associated with less depression and death anxiety, a greater capacity to communicate with health care providers, to clarify goals and values and to prepare for the end of life.  A global knowledge translation program for training and delivery of CALM is now underway in more than fifteen counties. Further work is needed to determine whether an intervention of this kind can become a standard of care in patients with advanced disease.

Dr. Gary Rodin, Toronto

 

PD Dr. Claudia Wild, 19.09.2019, 18-19 Uhr

Klinischer Nutzen zugelassener Onkologika: wieviel Nutzen ist genug, um solidarisch finanziert zu werden?

Nutzenbewertungen neuer (aber auch) etablierter medizinischer Interventionen haben im letzten Jahrzehnt als gesundheitspolitische Entscheidungsunterstützung für/gegen deren Refundierung in solidarisch-finanzierten öffentlichen Gesundheitssystemen enorm an Bedeutung gewonnen. Die Nutzenbewertungen der Wirksamkeit und Sicherheit von (neuen) Krebsmedikamenten (etwa jedes dritte von der EMA zugelassene Medikament ist zur onkologischen Therapie) zeigen, dass häufig nur marginale Effekte erzielt werden, obwohl sie als Innovationen und Fortschritt vermarktet werden. In jüngsten Jahren haben zusätzlich Nutzenbewertungen der ESMO (European Society of Medical Oncology) große Aufmerksamkeit bekommen, da sie ebendiese Ergebnisse bestätigen. Zeitgleich wird ein großer Anteil der Arzneimittelbudgets in Kliniken für ebendiese Medikamente für einen kleinen Teil der PatientInnen ausgegeben und werfen Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und einer sinnvollen Ressourcennutzung auf. Der Vortrag zeigt Daten und Fakten zum klinischen Nutzen onkologischer Medikamente, (Preis-)Strategien der Industrie und diskutierte politische Lösungen.

Claudia Wild, Priv.-Doz. Dr. phil. ist seit der Gründung des LBI-HTA im Jahr 2006 Institutsleiterin. Von 1989 - 2006 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Technikfolgen-Abschätzung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und mit dem Aufbau und der Leitung des Arbeitsbereichs Health Technology Assessment betraut. Davor war sie am Lehrstuhl für Kommunikations- und Politikwissenschaften an der Universität Nürnberg tätig und beschäftigte sich zudem mit medienwirkungsspezifischen und medienpolitischen Fragestellungen. Ihr Studium der Kommunikationswissenschaft & Psychologie an der Universität Wien und der Politikwissenschaft an der Ohio University/USA schloss sie 1985 mit einer Promotion ab. 2009 habilitierte sie in Sozialmedizin (Medizinische Universität Graz) zum Thema "Ressourcenallokation im Gesundheitswesen".

 

Prof. Dr. Nicole Ernstmann, 20.09.2019, 9.00-9.45 Uhr

Kommunikation und Kontext – Wie beeinflussen Strukturen, Organisation und Klima die Patientenzentrierung in der Onkologie?

Eine patientenzentrierte Versorgung setzt die Patient-Behandler-Beziehung in den Mittelpunkt, berücksichtigt die individuellen Erfahrungen, Bedürfnisse, Kompetenzen und Präferenzen der Patient*innen und bezieht diese angemessen in die Versorgung und in Behandlungsentscheidungen ein. In der Onkologie kommt diesen Aspekten aufgrund der Schwere der Erkrankungen und der ausgeprägten Belastung von Patient*innen und Angehörigen eine besondere Bedeutung zu. Doch wie kann Patientenzentriertheit gelingen? Welche organisationalen Bedingungen fördern oder behindern eine patientenzentrierte Versorgung in der Onkologie? Was kann jeder Einzelne tun und wie sollten Kliniken oder Praxen organisiert sein? Im Rahmen des Vortrags sollen theoretische Grundlagen, empirische Befunde sowie Implikationen für die onkologische Versorgungspraxis vorgestellt und diskutiert werden.

Prof. Dr. Nicole Ernstmann leitet die Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung (CHSR) an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn. Zudem ist sie kommissarische Direktorin des Instituts für Patientensicherheit (IfPS) der Universität Bonn. Zuvor war sie als Juniorprofessorin für Medizinsoziologische Versorgungsforschung stellvertretende Direktorin des Instituts für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaften (IMVR) der Universität zu Köln. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der onkologischen Versorgungsforschung, der Gesundheitskommunikation und Gesundheitskompetenz. Sie befasst sich dabei sowohl mit den Patientenerfahrungen und der Versorgung bei häufigen Erkrankungen wie Brust- oder Prostatakrebs als auch mit den Bedürfnissen von Patienten mit seltenen onkologischen Diagnosen wie dem männlichen Brustkrebs.

Fotoquelle:
UKB/UKom/Johann F. Saba

 

Prof. Dr. David Schwappach, 20.09.2019, 9.45-10.30 Uhr

Fehler im System – Patientensicherheit in komplexen Organisationen

Die onkologische Versorgung hat grosse Fortschritte gemacht, sowohl in den Überlebensraten als auch in der Lebensqualität der betroffenen Patientinnen und Patienten. Trotz dieser positiven Entwicklungen erleiden viele Patientinnen und Patienten auch vermeidbare Schädigungen. Die Therapien selber und die Organisation der Versorgung sind extrem komplex geworden. Komplexe Systeme sind durch Spezialisierung und gegenseitige Bezüge und Abhängigkeiten gekennzeichnet – und das macht sie anfällig für Fehler. Um Verbesserungen in der Patientensicherheit in der onkologischen Versorgung zu erreichen müssen systemische Perspektiven und Lösungen erarbeitet und implementiert werden. Im Referat werden aktuelle Daten zur Patientensicherheit in der Onkologie vorgestellt und grundsätzliche Strategien zur Prävention von Fehlern und unerwünschten Ereignissen diskutiert.

 

Dr. Christian Schulz-Quach, 21.09.2019, 13-14 Uhr

Nakedness and the dead body - the impact of regular death encounters on meaning and identity in health care professionals

When I tell others that I work in Palliative Care Psychiatry the most frequent reply I hear is: How can you bear this up? My standard reply is that I gain gratitude, satisfaction and meaning from my work. I often add how much I value the daily confrontation with existential issues and meaningful human encounters within modern health care (Schulz, 2010; Schulz, 2018). I rarely talk about the more difficult and challenging phenomena which constitute part of this work and about my path to becoming a consultant in palliative medicine in Germany and a palliative care psychiatrist in the UK. In the clinical practice of Palliative and Hospice Care, daily practice and organizational demands often conceal the lack of articulated phenomenological understanding of the significance of frequent death confrontation and its meaning to those who work in the field as healthcare professionals.

In this talk, I would like to offer an exploration on the experience of actual death encounter and the cardinal phenomenon of being present to the nakedness of a dead body. By doing so, I will draw from theory and personal experience alike. I will present the results of a systematic metasynthesis of the literature and highlight relevant research questions for future projects.