Educationals: Innovationen in der Tumortherapie

Freitag 24.09.2021 16:00 - 17:30 Uhr

 

 

Immuntherapie gastrointestinaler Tumoren: Möglichkeiten und Grenzen.
Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Klinik für Innere Medizin I, Universitätsklinikum Ulm, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft

Die Therapie gastrointestinaler (GI) Tumore basierte sehr lange Zeit alleine auf der Chemotherapie. In den letzten 20 Jahren haben sich sogenannte zielgerichtete Therapien und Angiogenesehemmer in der Therapie etabliert. Immuntherapeutische Ansätze fanden erst vergleichsweise spät Eingang in die Therapie von GI Tumoren. Dies liegt u.a. daran, dass viele Tumorentitäten im Gastrointestinaltrakt immunologisch eher „kalt“ sind und damit durch Therapiekonzepte wie den Immuncheckpointinhibitoren nicht gut erreicht werden. Durch zunehmend bessere molekulare Charakterisierung dieser Tumore konnten aber Subgruppen definiert werden, die sehr gut auf Therapien, die die körpereigene Immunantwort gegen den Tumor verstärken, ansprechen. Dies verändert für manche Tumore wie z.B. mikrosatelliteninstabile kolorektale Karzinome die Therapie und die Prognose komplett.

Im Vortrag sollen aktuelle Konzepte zur Immuntherapie von GI Tumoren diskutiert und Strategien aufgezeigt werden, wie versucht wird, „kalte“ Tumoren mit immuntherapeutischen Ansätzen besser behandelbar zu machen.

 

 

Was sagt uns das Blut über das Mammakarzinom? Chancen und Limitationen der Liquid Biopsy beim Mammakarzinom
Prof. Dr. Wolfgang Janni, Universitätsklinikum Ulm

Die Streuung von Tumorzellen und Entstehung solider Metastasen findet sowohl über das Lymph- als auch das Blutsystem statt. Der Nachweis zirkulierender Tumorzellen (CTCs) und der zirkulierenden Tumor-DNA (ctDNA) im venösen Blut ist sowohl beim frühen als auch beim metastasierten Mammakarzinom möglich. Ihre prognostische Relevanz wurde bereits mehrfach bewiesen. Dabei ist die repetitive Untersuchung der CTCs bzw. ctDNA im Sinne einer regelmäßigen „liquid biopsy“ jederzeit und problemlos möglich. Durch die zusätzlichen molekularen Analysen ist es möglich, Tumorcharakteristika und ihre Heterogenität, die mit möglichen Resistenzen einhergehen, zu definieren. Dies ermöglicht den Einsatz einer personalisierten und zielgerichteten Therapie, um neben einem verlängerten Gesamtüberleben auch die Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen.

 

 

CAR-T Zellen: Hoffnung in der Krebstherapie durch genetisch veränderte Immunzellen
Prof. Dr.  Andreas Viardot, Universitätsklinikum Ulm

Im Jahr 2018 wurde durch die Europäische Arzneimittelagentur erstmals zwei Produkte für die Behandlung von rezidivierten und refraktären aggressiven Lymphomen und akuten lymphatischen Leukämien (ALL) bei Kindern zugelassen, die auf dem Prinzip der genetischen Modifikation von körpereigenen Abwehrzellen bestehen. Dazu werden dem Patienten T-Lymphozyten übernommen, durch retroviralen Transfer ein sogenannter „Chimärer Antigen Rezeptor“ (CAR) eingesetzt, der in der Lage ist, dass die Lymphozyten die Tumorzelle spezifisch erkennen und abtöten. Bereits jetzt kann man sagen, dass bei aggressiven Lymphomen und der pädiatrischen ALL Heilungen möglich sind, die durch Standardmethoden wie Chemotherapie nicht mehr erreicht werden können.

Die Einführung der CAR-T Therapien stellt aber die Kliniken vor besonderen Herausforderungen. Erstmals werden „lebende Medikamente“ eingesetzt, die sich in dem Patienten vermehren und lange persistieren können. Der regulatorische Aufwand ist immens, zumal Zentren durch den Hersteller ausgewählt und qualifiziert werden müssen. Schließlich sind CAR-T Zellen besonders teure Therapien, was Diskussion über den Nutzen und die Verhältnismäßigkeit mit sich führt.

Trotz allem geht die Entwicklung von CAR-T Zellen weiter. Allein mit CAR-T Zellen gegen den CD19-Rezeptor ist es möglich, auch Therapien für einen Großteil von Non-Hodgkin-Lymphomen und lymphatischen Leukämien anzubieten: ein weiteres Produkt für Patienten mit Mantelzell-Lymphom wurde bereits zugelassen, andere Zulassungen werden erwartet. In diesem Jahr erwarten wir die erste Zulassung eines von mehreren CAR-Produkten gegen das BCMA-Antigen, mit dem Patienten mit Multiplen Myelom behandelt werden können. In Studien werden Produkte getestet, die gegen viele andere Krebserkrankungen gerichtet sind. Immer wieder gibt es neue Entwicklungen, wie z.B. bi- oder multispezifische CAR-T Zellen oder „off the shelf“ („aus dem Regal“) CAR-T Zellen von einem Spender, die nicht mehr spezifisch von dem Patienten selbst hergestellt werden müssen. Die CAR-T Therapie wird die Krebstherapie nachhaltig verändern.