Donnerstag 23.09.2021

17:00 - 18:00 Uhr; Prof. Dr. Udo X. Kaisers

Wie werden Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die zukünftige Medizin verändern?

Digitalisierung und künstliche Intelligenz bieten ein enormes Potential um die Gesundheit vieler Menschen weltweit zu verbessern. Sie ermöglichen gezieltere Forschung für eine bessere Prävention, Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen.

In der weltweiten Betrachtung des Potentials sowie in der Einstellung der Bevölkerung gegenüber künstlicher Intelligenz zeigen sich durchaus Unterschiede, sowohl regional als auch in Abhängigkeit des Bildungsniveaus. Viele Bürger sehen Chancen für Fortschritte, allerdings gibt es auch Bedenken bezüglich der Datensicherheit.

Eine entsprechende Datenbasis ist allerdings essentielle Grundlage für die Anwendung künstlicher Intelligenz. Noch immer basiert ein großer Teil von Untersuchungen deutscher Wissenschaftler auf Daten aus dem Ausland, da eine vergleichbare Datenbasis aggregierter klinischer Daten in Deutschland nicht verfügbar ist.

Entsprechende Regularien, die einen klaren Rechtsrahmen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz schaffen, werden von der EU-Kommission in Aussicht gestellt und sind unabdingbar. Diese Regularien können eine innovative, verantwortungsvolle und gemeinwohlorientierte Datennutzung ermöglichen.

Im Zuge des im letzten Jahr verabschiedeten Krankenhauszukunftsgesetzes wollen Bund und Länder die Digitalisierung der deutschen Krankenhäuser und damit der Medizin vorantreiben, was auch die notwendige Grundlage für die Schaffung einer entsprechenden Datenbasis für klinische Forschung darstellt und auch den Aspekt verstärkt notwendiger Investitionen hierfür adressiert.

Die voranschreitende Digitalisierung bringt nicht nur eine veränderte Patientenrolle durch „patient empowerment“ mit sich, sondern wird auch den Berufsalltag von Ärzten und anderer Heilberufe nachhaltig ändern. Dies erfordert eine Vermittlung entsprechender digitaler Kompetenzen in den Aus- und Weiterbildungscurricula.

Professor Dr. Udo X. Kaisers hat nach seinem Medizinstudium in Berlin und Wien sowie Promotion seine wissenschaftlich-klinische Laufbahn 1992 an der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Virchow-Klinikums der Freien Universität Berlin (heute Charité) begonnen. Von 2003 bis 2006 war er C3-Professor für Anästhesiologie an der Charité. Von 2006 bis 2015 war er W3-Professor für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Universität Leipzig und hatte die Position des Direktors der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie inne. Von 2012 bis 2015 hat er darüber hinaus die medizinisch-wissenschaftliche Leitung des dortigen Departments für Operative Medizin übernommen. Seit 2015 ist er Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm. Des Weiteren hat er seit 2018 die Position als Direktor bei der Initiative Qualitätsmedizin inne.

 

 

18:00 - 19:00 Uhr; Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer

Einsamkeit

Einsamkeit erleben wir immer dann, wenn wir die Erfahrung machen, verlassen zu werden oder gerade verlassen zu sein. Es ist ein subjektives Gefühl, ist grundsätzlich unangenehm und geht mit Verhalten einher, das dem Zustand entgegenwirkt. Im Gegensatz dazu steht die objektive Tatsache der sozialen Isolation. Beides hängt zwar zusammen, ist aber nicht dasselbe: So können sich manche Menschen einsam fühlen obwohl sie dauernd unter Menschen sind. Andererseits gibt es ziemlich sozial isolierte Menschen, die damit gut leben und denen das nichts ausmacht.

Einsamkeit erleben Frauen häufiger als Männer und jüngere Menschen häufiger als ältere. Beides mag zunächst verwundern, denn erstens sind Frauen im Vergleich zu Männern die „sozialeren“ Wesen und zweitens fallen vielen Menschen beim Thema „Einsamkeit“ vor allem ältere Menschen ein.

Bei chronischer Einsamkeit ist die Konzentration von Stresshormonen im Körper erhöht. Die wiederum führen langfristig zu Schlaganfällen, Herzinfarkten, Infektionskrankheiten, Krebs, Knochenbrüchen und Depression sowie möglicherweise sogar Demenz. Einsamkeit geht daher mit einem deutlich erhöhten Sterberisiko einher, wie man erst seit etwa 10 Jahren weiß.

Die „Behandlung“ von Einsamkeit ist keineswegs leicht, denn Einsamkeit wird als stigmatisierend erlebt, weswegen schon das Suchen nach Abhilfe kaum erfolgt. Man muss sehr behutsam vorgehen. Der Rat „geh doch mal wieder unter Leute“ ist etwa so als würde man einem Rollstuhlfahrer sagen: „Steh doch mal auf“ – genau das kann der ja nicht. Ein chronisch einsamer Mensch kann eben nicht mehr „einfach unter die Leute gehen“.  Anderen helfen, in die Natur gehen, gemeinsame Aktivitäten (Musizieren, Sport, Theater, „Werkeln“ jeglicher Art) können helfen. Der Betroffene als auch derjenige, der helfen möchte, brauchen gleichermaßen viel Geduld; schnelle Lösungen, Tricks oder Tipps gibt es nicht.

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer studierte in Freiburg Medizin, Psychologie und Philosophie. Nach seiner Habilitation für das Fach Psychiatrie war er als Oberarzt an der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg tätig. Forschungsaufenthalte in den USA (Harvard University und University of Oregon) prägten das weitere wissenschaftliche Werk von Manfred Spitzer an der Schnittstelle von Neurobiologie, Psychologie und Psychiatrie. Seit 1997 ist Manfred Spitzer Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. 2004 gründete er das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL).